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Dissertationsprojekt: Raumreferenz im Nordfriesischen (Arbeitstitel)

Einige kleinere wissenschaftliche Untersuchungen (vgl. Ebert 1980; Winter 2015) und verstreute Hinweise aus der (älteren) nordfriesischen Sach- und Reiseliteratur (vgl. u. a. Kohl 1846; Volquardsen 1959/1960) deuten darauf hin, dass das Nordfriesische eine Reihe von sprachlichen Besonderheiten im Bereich der Raumreferenz aufweist bzw. aufwies. Zu nennen sind hier unter anderem ein spezielles System von Orts- und Richtungsangaben im Bereich des Hauses, einige auffällige Gebrauchskontexte für die Himmelsrichtungsbegriffe oder der Bezug auf die geografischen Höhenunterschiede zwischen Geest und Marsch bei der Angabe von Orten und Bewegungsrichtungen. Das Ziel des Dissertationsprojektes ist die umfassende Beschreibung verschiedener Strategien, derer sich die Nordfriesen bedienten, um Objekte sprachlich zu lokalisieren. Unter Einbezug historischer, kultureller und sprachsozialer Faktoren wird der Untersuchungsschwerpunkt dabei insbesondere auf der Rolle des absoluten Referenzrahmens im Nordfriesischen liegen.

  • Ebert, Karen Heide. 1980. "Orts- und Richtungsangaben im Fering". In: Niels Danielsen et al. (Hg.): Friserstudier. 4 foredrag holdt ved Friserdagen i Odense 7. maj 1979. Odense: Odense Universitetsforlag. S. 56 - 75.
  • Kohl, Johann Georg. 1846. Die Marschen und Inseln der Herzogthümer Schleswig und Holstein. Nebst vergleichenden Bemerkungen über die Küstenländer, die zwischen Belgien und Jütland liegen, 3 Bände. Dresden (u. a.): Arnoldische Buchhandlung. [Unveränderter Neudruck: 1973. Walluf bei Wiesbaden: Sändig].
  • Volquardsen, Johan Redlef. 1959/1960. "Beiträge zur Geschichte der Wiedingharde". In: Jahrbuch des Nordfriesischen Instituts 6. S. 140 - 151.
  • Winter, Christoph. 2015. "Diar wiar Höghan aröön an Höghan afuurd - Nordfriesische Orts- und Richtungsangaben aus dem Umfeld des Hauses". In: Us Wurk 64, 3-4. S. 90 - 134.

 

 

Bibliographierung älterer Forschungsliteratur mit Relevanz für die Frisistik und Nordfriesland

Gerade in den Periodika des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts finden sich oftmals kleinere Beiträge oder auch in umfangreichere Abhandlungen eingebettete Kommentare zur nordfriesischen Kultur, Geschichte und Sprache, die für die Nordfrieslandforschung - insbesondere auch für die Wortkunde - von Bedeutung sind. Hier zwei Beispiele von Christian Jensen:

"In den Geestdörfern des Amtes Husum trägt die zum 'Sargleggen' einladende Frau einen frischen Baumzweig (Tellig), gewöhnlich einen Weidenzweig, in der Hand." (Jensen 1862)

"In den Gegenden am Risumer Moor (Nordfriesland) löset man die Flomen in einem Stück aus dem geschlachteten Schwein heraus, wobei man sich in Acht nimmt, das die Fettmasse umgebende Häutchen zu verletzen. Dann wird die ganze Masse um und um mit Salz bestreut und bleibt einige Tage liegen, bis sie von der Lake durchzogen ist. Sobald das geschehen, wird sie herausgenommen, die Enden werden zusammengebunden und das Ganze wird in den Wiem gehängt. Das ist der Isterpös, von welchem man dann im Laufe des Jahres nach Bedarf Stücke abschneidet, immer vom obern Ende, damit die Beutelform möglichst lange bewahrt werde. Wenn der Isterpös um Johanni noch eine ansehnliche Größe hat, sagt man von der Hausfrau, sie verstehe das Sparen und gute Haushalten aus dem Fundament." (Jensen 1863)

Das Ziel des Projektes ist die Bibliographierung und Verschlagwortung dieser Beiträge und Erwähnungen.

  • Jensen, Christian. 1862. "Beerdigung". In: Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg 5. S. 88.
  • Jensen, Christian. 1863. "Der Isterpös". In: Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg 6. S. 400.