Runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen

 

Das Projekt „Runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen“ widmet sich der Erforschung des ältesten eigenständig entwickelten Schriftsystems innerhalb der germanischen Sprachen, der Runenschrift. Als Kommunikationsmedium war diese Schrift in unterschiedlichen Ausformungen in großen Teilen des heutigen Europa (mit Zentren im deutschsprachigen Raum, in Großbritannien und Skandinavien) über einen Zeitraum von mehr als 1400 Jahren verbreitet, sie ging der lateinischen Schriftlichkeit in diesen Sprachen voraus und existierte lange Zeit neben dieser.

Jenseits der bisher erfolgten, vornehmlich editionsorientierten Erforschung der Runeninschriften werden die Runen im vorliegenden Projekt als Schriftsystem betrachtet, das sich über Jahrhunderte hinweg, bedingt durch sprachinterne und -externe Faktoren, in unterschiedlicher Weise entwickelt hat und innerhalb der historischen Gesellschaften wechselnde kommunikative Funktionen übernahm. Die Grundlage der Projektarbeiten bilden dabei die theoretischen Erkenntnisse der modernen Schriftlichkeitsforschung, die die Runologie bisher nicht berücksichtigt hat. Ausgehend von dem von P. Koch und W. Oesterreicher eingeführten Begriffspaar „Verschriftung“ und „Verschriftlichung“ werden beide Aspekte von Schriftlichkeit, i.e. das Verhältnis von sprachlichem Laut und Schriftzeichen und die Form und Funktion der Texte, ins Zentrum gerückt.

Ziel ist es, die runische Schriftlichkeit in den germanischen Sprachen unter diesen Aspekten systematisch, überregional und zeitlich umfassend zu untersuchen und so eine Geschichte der runischen Graphematik und Pragmatik zu entwickeln. In den Untersuchungen zur runischen Graphematik wird der Vorgang der Verschriftung der germanischen Sprachen und die Entstehung und weitere Entwicklung einzelner, regional unterschiedlicher runischer Schriftsysteme dokumentiert, vergleichend beschrieben und erklärt. Der Blick wird vorwiegend auf die graphematischen Systeme und ihre Realisierung gerichtet; neben der formalen Variation der einzelnen Runen stehen dabei die Existenz von Schreibtraditionen und die Verwendung außerrunischer Zeichen besonders im Vordergrund. Die runische Textgrammatik und Pragmatik widmet sich darauf aufbauend der Form und Funktion der runischen Texte. Die Erfassung und Beschreibung der Textstrukturen und die Gestaltung des Textraumes stehen ebenso im Mittelpunkt der Untersuchungen wie die kommunikativ-pragmatischen Funktionen dieser Texte und deren Bezüge zu außerrunischen Begleitzeichen. Die zeitlich und räumlich umfassende Anlage des Projekts ermöglicht dabei vergleichende Aussagen zur Entwicklung des runischen Schriftgebrauchs unter gesellschaftlich-kulturhistorischer Perspektive. Da die runische Schriftlichkeit über einen längeren Zeitraum hinweg zeitgleich mit der lateinischen Schriftlichkeit existierte, ist die Beantwortung der Frage nach dem Einfluss der lateinischen Schriftlichkeit, nach Dialog oder Abgrenzung zwischen runischer und lateinischer Schriftlichkeit für beide Untersuchungsbereiche zentral.

 

Träger

Deutsche Akademienunion, Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

 

Laufzeit

2010 - 2025

 

Antragsteller

Prof. Dr. A. Bammesberger (Eichstätt)

Prof. Dr. K. Düwel (Göttingen)

Prof. Dr. W. Heizmann (München)

Prof. Dr. E. Marold (Kiel)

Prof. Dr. E. Ronneberger-Sibold (Eichstätt)

 

Arbeitsstellen

Kiel (Federführung)

Göttingen

Eichstätt-München

 

Mitarbeiter der Arbeitsstellen

Kiel: Dr. Christiane Zimmermann, Ute Zimmermann, Dr. Jana Krüger

Göttingen: Dr. Alessia Bauer, Dr. des. Sigmund Oehrl

Eichstätt-München: Dr. Gaby Waxenberger, Dr. Kerstin Kazzazzi

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Projekts.