Das Skaldik-Projekt

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Das DFG-Projekt ‘Neuedition der Skaldendichtung’ des Instituts für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft der Universität Kiel ist Teil des internationalen Projekts ‘Skaldic Poetry of the Scandinavian Middle Ages’. Das Kieler Projekt (Laufzeit 2009-2015) besteht aus dem folgenden Team:

 

Leitung

 

Mitarbeiter

Hilfskräfte

  • John Foulks, M. A. (2009-2010)
     
  • Bente Hartmann (2011)
     
  • Rabea Stahl (2011-2012) 

 

  • Josephine Dittmann (2016-2017)
     

 

Englische Übersetzungen

  • John Foulks, M. A

 

  

Zum Projekt

Das von der DFG seit 2009 geförderte Kieler Skaldikprojekt ist Bestandteil eines internationalen Editionsvorhabens, das sich eine vollständige Neuedition der mittelalterlichen skandinavischen Skaldendichtung zum Ziel gesetzt hat. Als ‘Skaldendichtung’ werden allgemein alle nicht-eddischen in Strophen verfassten Dichtungen des skandinavischen Mittelalters (900-1400) bezeichnet. Diese Gattung ist nicht nur für die Literaturgeschichte der skandinavischen Länder von Bedeutung, sondern sie ist auch eine wichtige Quelle für Geschichte, Kulturgeschichte und Religionsgeschichte - sowohl heidnische, wie christliche - des skandinavischen Mittelalters. Die geplante Neuedition der Skaldendichtung soll das bisherige Standardwerk von Finnur Jónsson, Den norsk-islandske Skjaldedigtning. 1912-15, ersetzen, das den heutigen wissenschaftlichen Anforderungen nicht mehr genügt. 

Vorteile der Neuedition sind: 

 

  1. Die Verfügbarkeit einer exakten englischen Übersetzung.  
  2. Eine an möglichst nur einer Handschrift orientierte Restitution des Werks, die –  im Gegensatz zu früheren Ausgaben – nur ein geringes Maß an Emendationen und Konjekturen (Verbesserungen des Handschriftenbefundes durch den Editor) enthält. 
  3. Kurze Erklärungen zu Editionsentscheidungen und zu den für das Textverständnis nötigen Details wie kulturgeschichtliche Hintergründe, sprachwissenschaftliche Erklärungen, Verweise auf andere, vergleichbare Dichtung etc.
  4. Es werden zahlreiche metrische Runeninschriften enthalten sein, die in den bisherigen Editionen nicht berücksichtigt wurden. 
  5. Es entsteht eine neue, umfassende Bibliographie zur Skaldendichtung.
  6. Verfügbarkeit der veröffentlichten Bände in einer Online-Datenbank (siehe unten)

 

Die Edition wird durch ein internationales Herausgebergremium durchgeführt. Diesem gehören Margaret Clunies Ross (Sydney), Kari Ellen Gade (Bloomington), Edith Marold (Kiel), Guðrún Nordal (Reykjavík), Diana Whaley (Newcastle upon Tyne), Tarrin Wills (Aberdeen) sowie für die Bibliographie Hannah Burrows (Sydney) an. Darüber hinaus tragen etwa 50 weitere Editoren ebenfalls Editionen einzelner Gedichte oder Strophen bei.

 

Die Neuedition untergliedert sich in neun Teile: 

  1. Poetry from the Kings’ Sagas 1: From Mythical Times to c. 1035 (erschienen 2013)
  2. Poetry from the Kings’ Sagas 2: From c. 1035 to c. 1300 (erschienen 2009)
  3. Poetry from Treatises on Poetics (erscheint 2016)
  4. Poetry on Icelandic History
  5. Poetry in Sagas of the Icelanders
  6. Runic Poetry
  7. Poetry on Christian Subjects (erschienen 2007)
  8. Poetry in fornaldarsögur
  9. Bibliography and Indices

 

skaldik_datenbank.jpg

Datenbank:

Neben der Druckausgabe sind die veröffentlichten Bände auch im Internet über eine Datenbank zugänglich (innerhalb einer zweijährigen Frist nach Veröffentlichung nur für autorisierte Benutzer, z. B. die Universitätsbibliothek Kiel, danach werden die Inhalte für die Öffentlichkeit zugänglich, so bereits geschehen für Band II und VII). Die Datenbank verfügt über zahlreiche Funktionen und eröffnet neue Möglichkeiten bei der Arbeit mit skaldischer Dichtung. 

Die Datenbank des internationalen Skaldik-Projekts finden Sie hier, außerdem steht eine Übersicht über die Nutzungsmöglichkeiten der Datenbank zur Verfügung.

 

Folgende weitere Publikationen sind geplant und werden im Rahmen des Projektes vorbereitend bearbeitet:

a) Bibliographie 

Die Arbeit an der Bibliographie geht von einer bestehenden Sammlung von über 2500 Titeln aus und wird begleitend zu den editorischen Arbeiten durchgeführt. Die Ergebnisse werden in der Datenbank gesammelt und sind dort zum Teil bereits auch für Außenstehende abrufbar. Nach Abschluss der Editionsarbeiten wird ein gesonderter Bibliographieband erscheinen.

b) Lexicon poeticum 

Das zuletzt 1930 aktualisierte Wörterbuch zur skaldischen Dichtung, bisher in dänischer Sprache, wird im Zuge der Neuedition bereits durch Verknüpfungen zwischen englischen Übersetzungen und Lemmata in der Datenbank aktualisiert. Dies wird als Grundlage für eine vollständige Neuauflage des Wörterbuchs in englischer Sprache dienen. 

c) Kenninglexikon 

Kenningar sind substantivische Umschreibungen eines Begriffs (= Referent), i.e. einer Sache oder Person aber auch von Abstrakta wie ‘Gedanke’. Sie bestehen aus einem Grundwort und mindestens einem Bestimmungswort, z. B. ‘Baum (Grundwort) des Schwertes (Bestimmungswort) [KRIEGER (Referent)]’. Das Bestimmungswort wird oft durch eine weitere Kenning ersetzt, z.B. ‘Baum des Schadens des Schildes [SCHWERT > KRIEGER]’. Dies kann fortgeführt werden, wodurch mehrgliedrige, komplexe Kenningar entstehen, die für die Skaldendichtung charakteristisch sind. Kenningar werden durch Variation von Kenningmodellen abgeleitet. Vom Kenningmodell ‘Tier des Meeres’ für ‘Schiff’ können z. B. folgende Kenningar abgeleitet werden: ‘Hirsch der Wellen’, ‘Eber der Brandung’, ‘Hengst der Brecher’, ‘Wolf des Flusses’ usw. Kenningar, die Dinge umschreiben, besitzen ein metaphorisches Grundwort, das durch das Bestimmungswort näher bestimmt wird. Personenkenningar umschreiben Personen als Typen und als Individuen je nach ihren Tätigkeiten oder Taten und in ihren Beziehungen zu anderen Menschen. Im Kontext der Strophen können Kenningar sowohl ornamentale als auch inhaltliche Funktion haben. 

Die Kenningar werden im Zuge der Edition in der Datenbank erfasst und strukturiert. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind bereits über 7000 Kenningar aufgenommen worden. Die Zahl wird sich noch beträchtlich erhöhen. Die in der Datenbank gesammelten Kenningar werden zunächst auf die Einheitlichkeit ihrer Referenten überprüft und diese gegebenenfalls korrigiert. Damit im Zusammenhang werden diese Kenningar nach der von Edith Marold erstellten Typologie (Marold 1983, 24-36 und SkP I, lxx-lxxxv) klassifiziert. Dabei werden für die einzelnen Referenten Strukturmodelle erstellt, die je einer Gruppe von Kenningar zu Grunde liegen (z. B. Rabe: Vogel Odins, Vogel des Kampfes, Vogel der Leichen). In der Datenbank werden unterschiedliche Abfragemöglichkeiten geschaffen, wie z. B. nach der Zahl der Kenningglieder, nach den Kenningmodellen und ihren Variationsmöglichkeiten. Aus der Auswertung dieser Daten entsteht die Basis für ein neues Kenninglexikon, das das bisherige Standardwerk (Rudolf Meissner. Die Kenningar der Skalden. Bonn und Leipzig 1921) ersetzen soll.

 

Die Arbeit in der Zweigstelle Kiel

1. Arbeitsschritte bei der Erstellung einer Edition:

  • Transkription der Handschriften 
    Zunächst erfolgt die Auswahl und Sortierung der relevanten Handschriften, aus denen die jeweiligen Skaldenstrophen transkribiert werden. Es wird aus editorischen Gründen eine Haupthandschrift bestimmt. In der Datenbank sind die meisten Handschriften in Bildformat vorhanden und die Strophen werden daher mit den entsprechenden Handschriftenseiten verlinkt. Auch wird eine Transkription mindestens der Haupthandschrift, nach Möglichkeit jedoch auch weiterer relevanter Handschriften je Strophe eingegeben.
     
  •  Erstellung des Variantenapparates 
    Die Transkriptionen bilden die Grundlage für die Erstellung des Variantenapparates. Darin werden die von der Haupthandschrift abweichenden Lesarten der weiteren Handschriften angegeben.
     
  •  Erstellung der Bibliographie 
    Für jedes zu edierende Gedicht wird eine separate Bibliographie bestehend aus den herangezogenen Editionen und der Sekundärliteratur erstellt.
     
  •  Erstellen der Edition 
    Die Edition jedes Gedichts orientiert sich an den Vorgaben des internationalen Projekts und umfasst folgende Punkte je Strophe eines Gedichts: Strophentext in entsprechender Sprachstufe, Prosawortfolge (Prose order), Übersetzung (Translation), Handschriftenliste (Mss), Variantenapparat (Readings), Editionsliste (Editions), Prosakontext (Context), Anmerkungen (Notes). Ein besonderes Augenmerk wird auf die Übersetzung des altnordischen Strophentextes gelegt, der einerseits idiomatisch sein, andererseits auch die Eigenheiten der altnordischen Dichtung aufzeigen sollte. Je Gedicht wird zudem eine Einleitung (Introduction) verfasst, die Informationen zur Datierung, Entstehung, Metrik, Deutung, Forschungsgeschichte und Überlieferung des Gedichts enthält. Gegebenenfalls wird auch eine Biographie des Skalden (Biography) verfasst. 
     

 

2. Arbeit an den Teilbänden III und VI:

Über die Erstellung einzelner Editionen hinaus ist die Kieler Zweigstelle des Projektes besonders in die Arbeit an den Bänden III und VI involviert. 

  • Band III ‘Poetry from Treatises on Poetics’ wird gemeinschaftlich von Kari Ellen Gade und Edith Marold herausgegeben. In dem Band erscheinen die Gedichte und Strophen, die in poetologischen Werken (Snorra Edda, Laufás Edda, grammatische Traktate) überliefert sind. Da sich in der Skaldendichtung zahlreiche inhaltliche Anspielungen auf Mythologie und Heldensage finden, wird in der Einleitung des Bandes ein erläuternder Überblick über die mythologischen Inhalte der Skaldendichtung gegeben. Dadurch wird dieser besonders interessante Aspekt der Skaldendichtung für ein breiteres Publikum verständlich, ohne dass ein besonderes Vorwissen zur Thematik notwendig ist. 

 

Darstellung der Drachentötung aus der Sigurdsage auf dem Stein von Ramsund:

 drachentötung

 

  • Band VI ‘Runic Poetry’ wird von Edith Marold herausgegeben. Er berücksichtigt erstmalig umfassend die metrischen Runeninschriften als Teil der Skaldendichtung in chronologischer Gliederung beginnend mit den Inschriften im Älteren Futhark (dem Runenalphabet, das von ca. 150-700 n. Chr. in Gebrauch war), die als früheste schriftliche Zeugnisse skandinavischer Dichtung gelten können. Daran schließen die Inschriften im jüngeren Futhark, namentlich der Wikingerzeit (ca. 800-1100) und nachfolgend des Mittelalters (1100-1500) an. Die Inschriften stammen aus sämtlichen skandinavischen Siedlungsgebieten und finden sich auf ganz unterschiedlichen Objekten. Typische Inschriftenträger sind etwa wikingerzeitliche Gedenksteine zur Erinnerung an einen Verstorbenen oder Holzstäbe aus mittelalterlichen Städten, die zum Beispiel mit Liebesdichtung, Zaubersprüchen, Flüchen und anderem versehen sind. Zu jeder Edition im Band wird auch eine Abbildung des Inschriftenträgers mit der Runeninschrift erscheinen. Zur besseren Sichtbarkeit werden die Runen gegebenenfalls nachgezeichnet.
     

Runenstein von Karlevi mit einer vollständigen Strophe im dróttkvætt-Metrum:

runenstein.jpg 

 

3. Verknüpfung von Forschung und Lehre

Neben der Forschungsarbeit bemühen sich die Mitarbeiter des Projektes, die Skaldendichtung auch für Studenten zugänglich zu machen. Aktuell bietet Jana Krüger im Wintersemester 2015/16 ein Seminar zu den Skaldensagas an.

 

4. Internationale Konferenz ‘Kenning and Context’

Vom 03. bis 05. Juli wurde eine Konferenz zum Thema Kenning and Context durchgeführt. Das Programm sowie Abstracts der gehaltenen Vorträge finden sich unter folgendem Link.

 

Literaturverzeichnis:

Finnur Jónsson, ed. 1912-15a. Den norsk-islandske skjaldedigtning. A: Tekst efter håndskrifterne. Copenhagen: Villadsen & Christensen. Rpt. 1967. Copenhagen: Rosenkilde & Bagger.

Finnur Jónsson, ed. 1912-15b. Den norsk-islandske skjaldedigtning. B: Rettet tekst. Copenhagen: Villadsen & Christensen. Rpt. 1973. Copenhagen: Rosenkilde & Bagger.

Marold, Edith. 1983. Kenningkunst: Ein Beitrag zu einer Poetik der Skaldendichtung. Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker, new ser. 80. Berlin: de Gruyter.

Meissner, Rudolf. 1921. Die Kenningar der Skalden: Ein Beitrag zur skaldischen Poetik. Rheinische Beiträge und Hülfsbücher zur germanischen Philologie und Volkskunde 1. Bonn and Leipzig: Schroeder. Rpt. 1984. Hildesheim etc.: Olms.

SkP I = Poetry from the Kings’ Sagas 1: From Mythical Times to c. 1035. Ed. Diana Whaley. 2012.